Ausstellung zum DP Camp Schlachtensee

Der Bezirk Zehlendorf war im Rahmen des Viermächteabkommens dem amerikanischen Sektor zugeordnet. 1946 verließen US Amerikanische Soldaten, ein ehemaliges Wehrmachtsgelände, um jüdischen Flüchtlingen Platz zu machen.
Auf dem heutigen Gelände des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf an der Potsdamer Chaussee/ Lissabonallee befand sich von Januar 1946 bis August 1948 ein Flüchtlingslager mit dem Namen Düppel Center.
Hier lebten und warteten auf ihre Ausreise (vorzugsweise in die USA und Palästina) bis zu 5000 jüdische Flüchtlinge, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 vor Pogromen aus Osteuropa, vor allem aus Sibirien und den ehemaligen asiatischen Sowjetrepubliken, flohen.
Dorthin waren viele westpolnische jüdische Familien von Stalin deportiert worden, nachdem durch den Nichtangriffspakt von Hitler und Stalin Polen aufgeteilt wurde.
Die Flüchtlinge hatten Entrechtung und Verfolgung erlebt.
Viele hatten Angehörige verloren oder wussten nichts über deren Verbleib.
Einige hatten in Verstecken, im Widerstand oder auch in der polnischen Armee überlebt und konnten nach Ende des Krieges nicht in ihre Orte zurückkehren.
Der offizielle Status der Flüchtlinge hieß „ Displaced Person“ („DP“)
Neben dem DP Camp Düppel gab es noch zwei weitere DP Camps in Mariendorf und Wittenau.
Die gemeinsame Sprache war jiddisch.
Die Leitung des DP Lagers unterstand von 1943-1947 der UNRRA, einer Hilfs- und Wiedereinsetzungsorganisation der Vereinten Nationen.
1947 bis 1948 übernahm die IRO die Koordination.
Im Camp bildete sich eine Selbstverwaltung, ein sogenanntes Lagerkomitee, eine DP-Polizei, sowie eine Feuerwehr, ein Lagergericht, einem Kulturamt mit Bibliothek und eine Volkshochschule.
Ebenfalls gab es eine Lagerzeitung mit dem Namen „Unzer Lebn“ mit einer Auflage von 2000-3000Stück.
Im Camp gab es viele Eheschließungen und Geburten, die den Wunsch nach einem neuen Leben und einer neuen Zukunft ausdrückten:
„Sag´ ihnen in Amerika mir leben doch-trotz allem wir leben“- So sagte es ein Hochzeitsgast.
Pädagogische Einrichtungen wie Kindergärten sowie Bildung und Ausbildung hatten in den DP-Lagern hohe Priorität.
Viele Flüchtlingskinder hatten keine Kindheit erlebt und konnten keine Schule besuchen.
1947 gingen im Lager Düppel 385 Kinder zur Schule. Der Unterrichtsstoff bestand aus: Rechnen, Geschichte, Englisch, Hebräisch, Singen, jüdische Geschichte, Zeichnen und Gymnastik.
Seit 1946 gab es im Lager Düppel ein Sportverein, der den Namen „Herzliya“ trug.
Nach kurzer Zeit hatte der Sportclub 190 Mitglieder.
Kulturelle Veranstaltungen waren nicht nur eine Abwechslung im Alltag, sondern auch ein Ausdruck kultureller Teilhabe nach langer Zeit der Entbehrung.
1946 wurde das Theater „Baderech“ von Künstlern im DP Camp gegründet.
Das Theater erfuhr in den folgenden Jahren Anerkennung in der Stadt und die Aufführungen wurden in den damaligen Berliner Tageszeitungen besprochen.
In Düppel gab es drei Rabbiner, zwei Synagogen und eine Mikwe- ein rituelles Tauchbad für Frauen.
Die meisten der Flüchtlinge feierten die jüdischen Feste und befolgten traditionelle Regeln, wie die Beschneidung am achten Tag nach der Geburt.
Alle Lebensbereiche wurden stark durch den Zionismus geprägt.
Das Interesse an der Errichtung eines eigenen jüdischen Staates und einer eigenen Heimat prägte Alltag, Erziehung und Bildung.
Die Gründung Israels am 14.Mai 1948 wurde im Camp groß gefeiert.
Alle Camps in Berlin mussten 1948 mit der Berlin-Blockade geschlossen werden:
Ende März 1948 kam es zu den ersten Blockaden West-Berlins durch die sowjetischen Alliierten.
Im Juni wurde die Strom- und Lebensmittelversorgung für West- Berlin gekappt und bald begann die die Berliner Luftbrücke der Engländer und Amerikaner.
Durch die Blockade konnte keine angemessene Versorgung der Flüchtlinge gewehrleistet werden.
So wurden sie nach Westdeutschland per Flugzeug evakuiert.
Innerhalb von zehn Tagen, Ende Juli 1948, wurde das DP Camp Düppel aufgelöst.
Das Gelände wurde danach für Flüchtlinge aus Ostdeutschland genutzt.

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